Im Jahr 1978 tat Porsche etwas ziemlich Ungewöhnliches: Man reduzierte die Leistung des neuen 911. Der 3.0 SC kam mit nur 180 bhp auf den Markt – 20 bhp weniger als der Carrera 3.0. Wie man sich vorstellen kann, waren die Kunden davon nicht begeistert.
Während Porsche damit beschäftigt war, den 911 zugunsten des neuen 928 in den Ruhestand zu drängen, beschlossen eine Handvoll Porsche-Ingenieure und -Händler still und leise, dass der 911 Besseres verdiente. Was folgte, war eines der geheimnisvollsten Kapitel in der Geschichte des 911: der 3.1 SC-L.
Das Rezept war wunderbar einfach. Eine größere Bohrung von 97 mm, Mahle-Kolben, höhere Verdichtung, eine Kühlung nach Turbo-Spezifikation, Dilavar-Zylinderkopfbolzen, erhöhter Kraftstoffdruck, ein größerer Ölkühler und ein längerer fünfter Gang. Das Ergebnis war ein 3.122-ccm-Sechszylinder-Boxermotor mit rund 210 bhp, der dem SC im Grunde die Leistung verlieh, die er von Anfang an hätte haben sollen. Ferry Porsche soll dem Projekt seinen Segen gegeben haben, allerdings unter einer Bedingung: Es sollte diskret bleiben. Keine Werbung. Kein Aufsehen. Nichts, was unnötige Aufmerksamkeit erregen würde.
Porsche führte nie ein definitives Produktionsverzeichnis, da die Unterlagen zu diesem Programm später vernichtet wurden. Schätzungen zufolge wurden nur 100 bis 150 Fahrzeuge ausgeliefert, wobei etwa die Hälfte davon angeblich an Porsche-Mitarbeiter ging.
Unser roter Targa, der am 11. April 1980 neu an seinen ersten deutschen Besitzer ausgeliefert wurde, verfügt über das einzige Dokument, auf das es wirklich ankommt: den originalen Porsche-Werksbrief, der den 3,1-Motor bestätigt.
Nach mehr als 40 Jahren ist es schon selten genug, eines dieser Fahrzeuge zu finden. Eines zu finden, bei dem die Werksbestätigung noch in den Unterlagen vorhanden ist, ist etwas ganz anderes.
Fünf Besitzer seit der Erstzulassung. Originalteile, Original-Werkslackierung, Serviceheft, umfangreiche Historie, Porsche-Echtheitszertifikat, Original-Werksbrief zum 3,1-Liter-Motor. Der Kilometerzähler wurde Anfang der 1990er Jahre ausgetauscht, wobei die vorliegenden Unterlagen auf etwa 120.000 km mehr hinweisen als die derzeit angezeigte Laufleistung.
Es handelt sich um einen der geheimen 911er – einen werkseitig genehmigten, von Porsche entwickelten Hot Rod, der zu einer Zeit gebaut wurde, als Porsche angeblich versuchte, den 911 vom Markt zu nehmen.
Selten und wirklich cool.