Der Sportwagenkonstrukteur John Cooper glaubte fest an das Potenzial des kompakten Viersitzers auf der Rennstrecke. In Zusammenarbeit mit Alec Issigonis, dem Schöpfer des klassischen Mini, entwickelte er Ideen für Varianten des Kleinwagens mit einem stärkeren Motor. Damit legte er den Grundstein für eine herausragende Karriere auf Rennstrecken und Rallye-Pisten, die in den 1960er Jahren in drei Gesamtsiegen bei der Rallye Monte Carlo gipfelte.

Eine Stunde schneller als der Aston Martin DB4

Der 1923 in Surrey geborene John Cooper war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Motorsports weltweit - sowohl als Fahrer und, mehr noch, als Konstrukteur. Zusammen mit seinem Vater gründete er 1946 die Cooper Car Company. Die beiden Enthusiasten begannen mit dem Bau von Rennwagen - zunächst für die Formel 3 und später für die Formel 1. Mit ihrem Konzept eines Mittelmotor-Sportwagens setzten Charles und John Cooper 1955 einen wirklich radikalen Trend in der gesamten Welt des Motorsports. Cooper-Rennwagen gewannen 1959 und 1960 sowohl den Konstrukteurs- als auch den Fahrertitel in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte des Motorsports gewann ein Wagen mit einem in der Mitte eingebauten Motor die Meisterschaft. Und da sich dieses Konzept als so überzeugend erwies, ist es nicht verwunderlich, dass bald alle Autos in der Formel 1 mit einem Mittelmotor ausgestattet waren.

Alec Issigonis with an Austin Seven at the Mini's press launch
Alec Issigonis mit einem Austin Seven bei der Pressevorstellung des Mini
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Sir Alec Issigonis: created the Mini in 1959, knighted in 1969 
Sir Alec Issigonis: Erfand den Mini 1959 und wurde 1969 zum Ritter geschlagen 
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John Cooper und Alec Issigonis wurden im Laufe der Zeit enge Freunde, nachdem sie sich bei zahlreichen Rennen getroffen und gegeneinander angetreten waren. Es gab auch fachliche Verbindungen zwischen den beiden, da die Cooper Car Company Motoren von BMC kaufte.

Was den Mini anging, waren die sportlichen Ambitionen der beiden Konstrukteure jedoch sehr unterschiedlich. Während Issigonis vor allem das richtige Auto für den Alltag suchte, war Cooper vom sportlichen Potenzial des kleinen und wendigen Flitzers begeistert. So schickte er bereits 1959, im allerersten Jahr des Mini, seinen Fahrer Roy Salvadori mit dem allerersten Mini Cooper nach Monza. Es handelte sich dabei um ein speziell für diesen Zweck gebautes Einzelstück. Und tatsächlich bewies dieser neue Sportwagen auf dem Weg nach Monza sofort seine Qualitäten. Salvadori legte die Strecke mehr als eine Stunde schneller zurück als sein Kollege Reg Parnell, der zufällig mit einem Aston Martin DB4 unterwegs war.

John Cooper and Jack Brabham celebrating another Grand Prix Victory in 1961 
John Cooper und Jack Brabham feiern einen weiteren Grand-Prix-Sieg im Jahr 1961 
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John Cooper
John Cooper
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Angeregt durch seinen ersten Erfolg bei der Rallye Monte Carlo 1960 schlug Cooper vor, ein GT-Modell auf der Basis des Mini zu bauen. Obwohl Issigonis zunächst etwas skeptisch war, entschied sich George Harriman, der Vorstandsvorsitzende von BMC, schließlich für den Bau einer Kleinserie von 1.000 Mini Coopern mit einem 55-PS-Motor. Das sind 21 zusätzliche Pferdestärken, die durch tiefgreifende Veränderungen am Motor möglich wurden. Die Höchstgeschwindigkeit des Mini Cooper lag bei 130 km/h. Die Getriebeübersetzung des Wagens wurde an das sportliche Potenzial des Motors angepasst. Außerdem sorgten Scheibenbremsen an den Vorderrädern für ausreichende Bremskraft.

Schon bald war Issigonis von den Ergebnissen dieser Bemühungen begeistert. Nachdem er sich mit John Cooper zusammengetan hatte, arbeitete er schnell an der nächsten Motorverbesserung und vergrößerte den Hubraum bis zum ultimativen Limit des Mini Cooper S. Mit 1.071 cm³ blieb der Hubraum unter der Marke von 1.100 cm³, die in der als Ziel gesetzten Motorsportklasse galt, und der Motor erreichte beeindruckende Drehzahlen. Die maximale Leistung beträgt 70 PS bei 6.200 U/min, die Höchstdrehzahl liegt bei 7.200 U/min. Auch diese Version war mit neuen Bremsen ausgestattet, wobei die Bremskraft durch einen Bremskraftverstärker verstärkt wurde.

Die goldenen Jahre der Rallye Monte Carlo

Damit war der Grundstein für grosse Erfolge im Motorsport gelegt, denn 1962 sorgte der Mini Cooper S in Monte Carlo erstmals für Schlagzeilen. Mit dem Finnen Rauno Aaltonen am Steuer gelang es dem kleinen, aber äußerst wendigen Renner, eine ganze Reihe von weitaus stärkeren Goliaths hinter sich zu lassen. Doch nur drei Kilometer vor dem Ziel schätzte Aaltonen, der damals in Führung lag, eine Kurve falsch ein und beendete die Rallye mit einem Überschlag.

Paddy Hopkirk won the 1964 Monte Carlo Rally
Paddy Hopkirk gewann the 1964 Monte Carlo Rally
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Princely reception: Hopkirk/Liddon taking the winner trophy, Rallye Monte Carlo 1964 
Fürstlicher Empfang: Hopkirk/Liddon nehmen die Siegertrophäe entgegen, Rallye Monte Carlo 1964
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Doch nur ein Jahr später machte Aaltonen dieses Missgeschick wieder wett, holte im Mini Cooper S den Klassensieg und wurde Gesamtdritter. Aber es sollte noch mehr, und noch besser kommen: Zu Beginn des Rallye-Winters 1963/1964 strotzte der Mini Cooper S im Gegensatz zu seinem Vorgänger nur so vor Kraft. So holte Paddy Hopkirk in einem spannenden Rennen den ersten Gesamtrang bei der Rallye Monte Carlo. Der kleine Kraftprotz wurde quasi über Nacht zur Legende im Motorsport. Ein Jahr später wiederholte der finnische Rennfahrer Timo Mäkinen mit seinem Co-Piloten Paul Easter denselben triumphalen Sieg. Sie erreichten das Ziel nach Tausenden von Kilometern als einzige Fahrer ohne einen einzigen Strafpunkt - trotz des denkbar schlechtesten Wetters. In der Tat konnten in diesem Jahr nur 35 von 237 gestarteten Autos die Rallye beenden, darunter nicht weniger als drei Mini Cooper S.

Mini Cooper S winning the Rallye Monte Carlo the second time in 1965 with cockpit Mäkinen/Easter
Mini Cooper S gewinnt die Rallye Monte Carlo 1965 zum zweiten Mal mit dem Team Mäkinen/Easter
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Mini Cooper at the Monte Carlo Rallye, 1965 
Mini Cooper bei der Rallye Monte Carlo, 1965 
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Das folgende Jahr war das Jahr des Hattricks: Timo Mäkinen, Rauno Aaltonen und Paddy Hopkirk erzielten mit den Plätzen eins, zwei und drei einen unglaublichen Sieg. Doch dann folgte das bittere Bedauern. Die ersten drei Autos wurden disqualifiziert, weil die Rallye-Kommissare zu dem Schluss kamen, dass das Abblendlicht der Mini-Hauptscheinwerfer nicht in vollem Umfang den Homologationsvorschriften entsprach.

Mini Cooper in a race, 1965 
Mini Cooper in einem Rennen, 1965 
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Mäkinen/Easter in the Mini-Cooper at the Monte Carlo Rally, 1965
Mäkinen/Easter im Mini-Cooper bei der Rallye Monte Carlo, 1965
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Doch trotz dieser fragwürdigen Entscheidung war das Publikum von den drei Mini-Fahrern begeistert. So gingen Hopkirk, Aaltonen und Mäkinen als die "Drei Musketiere" in die Annalen der Rallye Monte Carlo ein. Und tatsächlich erhielt Rauno Aaltonen nur ein Jahr später überwältigenden Beifall und Anerkennung, als er den dritten Gesamtsieg des Mini Cooper S bei der Rallye Monte Carlo nach Hause brachte. Vor allem, weil es dieses Mal keine Beanstandungen an seinem Auto gab.

Mini Cooper S at the R.A.C. Rally 1966 
Mini Cooper S bei der Rallye R.A.C. 1966  
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Rauno Aaltonen and Henry Liddon in the Mini Cooper at the Alpine Rallye, 1966 
Rauno Aaltonen und Henry Liddon im Mini Cooper bei der Alpenrallye, 1966 
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